
Regina Marxer
Vaduz, Liechtenstein, 1951
wir
2003 – 2006
6 Gemälde (Öl auf Leinwand), 6 Staffeleien, Gartentisch, 6 Gartenstühle
KML 2006.19
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz
Wie ich die Ausstellung betrat, so könnte ich beginnen, doch schon dieser Satz vom Betreten der Ausstellung wird durch die Ausstellung ziemlich beeinträchtigt, denn der Erzähler – und jeder Besucher ist auch ein Erzähler – wird da gleich ein wenig entthront, das heisst eben nicht geschockt, denn die Therapie oder Energie ist hier eine andere. Was da geschieht ist nachhaltiger, weil sublimer, es geschieht unter der Augenhöhe, denn der Erzähler oder Besucher betritt nicht den Raum, er kommt erst in den Raum, indem er einen Weg wählt, zwischen den kreuz und quer stehenden Staffeleien. Und es gibt da auch keinen Richtungspfeil, keine Folgerichtigkeit als Reihenfolge: da ist so vieles nicht, woran sich der Besucher einer Ausstellung gewöhnt hat, doch dies nicht im Sinne einer blossen Verweigerung, denn die Verweigerung geschieht hier gleichsam nebenher, und es wäre auch verfehlt zu sagen, dass der Besucher zur Vorsicht gezwungen wird, eher wird er gebeten, ohne Anweisung oder Tafel, um Vorsicht, darum, nicht über die Ausleger der Staffeleien zu stolpern. Die Ausstellung bittet darum ohne Worte, indem sie ist, wie sie ist, ein Kreuz und Quer von Staffeleien, welche auf unterschiedlicher Höhe stets gleichformatige Bilder mit Punkten tragen: also sind wir nun schon ein Stück weit im Ausstellungsraum, doch wer sind wir? Wir sind der Titel der Ausstellung, das heisst: wir, das könnten wir sein, die da gleichsam Atelierbesucher sind oder auf Besuch bei einer Malklasse, wobei da niemand mehr ist, kein Künstler und kein Schüler, nur wir, die wir uns bald fast unwillkürlich, je nach Körpergrösse, der einen oder anderen Staffelei zugehörig fühlen, einer hohen, einer mittleren oder tiefen, so als wären wir die Abwesenden, doch anwesend oder dann schon schlendernd zwischen den Staffeleien, wie in einer Malpause, denn bald schon hat sich der Besucher an das Kreuz und Quer gewöhnt und schlendert, auch an die eigene Vorsicht als Einstellung gewöhnt, durch diesen Hain oder Wald.
Michael Donhauser über die Ausstellung «wir» von Regina Marxer, 2005